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Sensenmähen am Bergmahd
Teilnehmer unseres Grundkurses beim Sensenmähen

Schrägezaun
Der Schrägezaun ist ein traditioneller Holzzaun im Wipptal, der ohne Nägel auskommt.

Holzschindeln
Holzschindeldächer sind ein besonderer Blickfang.

Sensenmähen am Bergmahd
Teilnehmer unseres Grundkurses beim Sensenmähen
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Das Kulturerbe Alm und Bergmahd und wichtige Almarbeiten
Was ist dieses Kulturerbe Alm und Bergmahd? Es sind die saftigen Almen und blühenden Bergwiesen, die wir alle so schön finden und die uns zum Träumen bringen. Doch diese Flächen sind keine unberührte Natur, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Arbeit, also menschengemacht. Die blühenden Bergwiesen sind also erst durch den Eingriff des Menschen entstanden, als er vor etwa 500 Jahren begann, sie anzulegen, d.h. zu roden. Der Grund dafür war eine Bevölkerungszunahme, die dazu führte, dass in den Tallagen vermehrt Getreide angebaut werden musste. Die Futterflächen für das Vieh mussten also auf den Berghängen neu gewonnen werden. Diese gerodeten Flächen wurden relativ rasch von Kräutern und besonderen Pflanzen besiedelt, die bis dahin quasi nur im Verborgenen geblüht hatten. Es entstand eine einzigartige Flora und Fauna, die z.B. im Valsertal noch vorhanden ist. Noch.
Doch die Arbeit auf den steilen Berghängen ist aufwendig, denn sie erfolgt zumeist mit der Sense oder mit dem Balkenmäher, also per Hand und zu Fuß. Viele Bergbauern sind nicht mehr in der Lage, die arbeitsintensiven Hochmähder und teilweise auch die Almen zu erhalten. Das hat verschiedene Gründe: Die moderne, industrielle Landwirtschaft verlangt nach permanenten Kostensenkungen. Das bedeutet nicht nur den Einsatz von Maschinen und chemischen Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden. Auch die Tierhaltung wird quasi „maschinell“ organisiert und brutalisiert. Das Ergebnis: Weltmarktpreise, die von den großteils manuell arbeitenden Bergbauern nicht einmal im Traum erreicht werden können. Die logische Folge: Viele Bergbauern geben auf und/oder finden keine Nachfolger für diese anstrengende Arbeit. Doch dann verändert sich die Landschaft: Flächen verbuschen, Arten verschwinden, Hänge werden instabil. Und zwar nicht nur, weil der Mensch die Flächen nicht mehr mäht, sondern auch, weil Kühe oder Schafe die Hänge nicht mehr festtrampeln.
Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass ein funktionierendes ökologisches Gleichgewicht in den Alpentälern zum allergrößten Teil von intakten Bergmähdern und Almen abhängt. Es kann also nicht darum gehen, diese Flächen einfach wieder „verwildern“ zu lassen, denn das würde den Artenreichtum von Bergmähdern und Almen drastisch reduzieren. Mehr noch: Wenn die Flächen brachliegen, erhöht sich die Gefahr von Muren- und Lawinenabgängen ganz erheblich. Kurz gesagt: Verwilderte Almen und Bergmähder fördern Naturkatastrophen. Ganz abgesehen davon, dass damit auch ein Verlust von Schönheit einhergeht, wenn die blumenübersähten Bergwiesen verschwinden.
Almarbeit, insbesondere das Sensen, ist also Landschaftspflege, intakte Bergmähder sind der beste Schutz gegen Naturgefahren. Deshalb ist Almarbeit auch heute noch notwendig.
Traditionelle Almarbeiten
Was sind traditionelle Arbeiten rund um Alm und Bergmahd? Dazu gehören u.a. Tätigkeiten wie
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Sensenmähen und Heuen am Bergmahd
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Schrägezäune bauen
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Trockensteinmauern sanieren und neu errichten
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Waale errichten und revitalisieren
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Holzschindeln kliabn (spalten)
Mehr Infos dazu findest Du, wenn Du den Links nach unten folgst.


Sensenmähen und Heuen am Bergmahd
Das Mähen von Bergmähdern hat zwei sehr wichtige Ergebnisse: Die wertvollen Kräuter wachsen im darauffolgenden Jahr wieder mit voller Kraft und der Bauer erntet das qualitativ beste Heu der Alpen. Darüber hinaus werden auch kleine Bäumchen abgeschnitten, die durch den Samenflug immer wieder aufkommen und das Mahd mit Verwaldung bedrohen.
Im Valsertal stehen wir jedoch vor dem Problem, dass uralte Bergmähder meist nicht erschlossen sind. Das bedeutet, dass die Bauern keine Maschinen einsetzen können, sondern mit der Sense auf den steilen Bergmähdern mähen müssen. Die logische Konsequenz: die eh schon hart genug arbeitenden Bergbauern haben weder die personellen noch zeitlichen Möglichkeiten, dieses wunderbare Heu zu ernten. Denn es gibt auf den Bergmähdern für Schlechtwetter keinen Plan B. Sprich, keine Heinzen/Stangger/Stiefel oder wie immer man jene Vorrichtungen lokal nennt, auf denen das Heu bei aufziehendem Schlechtwetter aufgehängt und getrocknet werden könnte. Also muss das Wetter zumindest zwei Tage lang Sonnenschein versprechen, um dem Mahdgut mit der Sense zu Leibe zu rücken und duftendes, trockenes Heu zu ernten. Dazu braucht es viele Hände, um das Heu in kürzester Zeit zu ernten.
Mehr übers Sensen, Dengeln und Heu machen zeigt dieses Video, das 2017 bei einem der ersten Kurse unserer Schule der Alm entstanden ist: https://www.youtube.com/watch?v=PmcnEG0beRk
Ein Erfahrungsbericht aus einem der Grundkurse des Jahres 2023 steht in der Ausgabe 2024 unseres Magazins „Beißwurm“.
Eine Wiese mit der Sense zu mähen, ist übrigens ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Eine Mahd mit dem Rasenmäher überleben viele Insekten und insbesondere Schmetterlingsraupen und -puppen meistens nicht, da dabei das Mahdgut mehrfach zerschnitten wird. Beim Sensen hingegen springen ständig Grashüpfer noch schnell davon, fliegen Schmetterlinge auf und bringen sich kleine Käfer in Sicherheit.


Schrägezäune bauen
Schrägezäune waren im Wipptal und somit auch im Valsertal einst weitverbreitet. Kein Wunder: denn diese Zäune kommen quasi ohne Nägel aus. Sie werden in gewisser Weise „geflochten“.
Die Herstellung der einzelnen Zaunkomponenten wird noch in althergebrachter Art und Weise durchgeführt: Dafür werden Lärchen- und Fichtenstämme mit dem Keil so lange geteilt, bis die einzelnen Stäbe die gewünschte Größe aufweisen. Warum werden die Stämme nicht einfach zersägt? Beim Sägen werden die einzelnen Holzzellen verletzt, das Holz wird dadurch anfälliger gegen Regen, Sturm und Wind. In den verletzten Zellen können sich Pilze ausbreiten, die das Holz angreifen. Und genau das passiert nicht, wenn die einzelnen Stecken „gekluibt“ werden, das Holz also so lange mit Keilen geteilt wird, bis es passt.
Schrägezäune halten bis zu 50 Jahre. Wir von der Schule der Alm sehen es als Verpflichtung an, das Wissen um den Bau dieser traditionellen Zaunform zu erhalten.



Trockensteinmauern sanieren und neu errichten
Das Bauen von Trockensteinmauern gehört zwar nicht zum Standardprogramm unserer Grundkurse, aber es ist Teil des Kulturerbes rund um Almen und Bergmahd. Die Technik des Trockensteinmauerbaus war jahrhundertelang die einzige Möglichkeit, auf Almen und Bergmähdern Steinmauern und -gebäude zu errichten. Zement oder Löschkalk waren teuer und hätten zudem umständlich auf die oft schwer zu erreichenden Almen transportiert werden müssen. Während Alphütten – vor allem in den Nordalpen – zum überwiegenden Teil aus Holz hergestellt wurden, wurden Einfriedungen (Tiereinhagungen) oft aus Trockenmauern hergestellt. Auch die Fundamente von Heustadln werden oft in Trockenmauertechnik ausgeführt.
Gut sichtbar sind bisweilen auch Lesestein-Pyramiden: Sie bestehen zum einen aus Steinen, die Lawinen ins Tal gebracht haben und werden so gebaut, dass sie in den kommenden Wintern nur schwer wieder von Lawinen zerstört werden können. Zum anderen handelt es sich um Lesesteine, die aufgesammelt werden, um die Almfläche zu erweitern, sprich: mehr Grasfläche zu gewinnen. Denn jeder stein gibt ein Kuhmaul voll Gras, so heißt es.
Im Valsertal gibt es tirolweit die vielleicht schönste „Trockenstein-Alm“, die Zeischalm. Dort hat Oberhirte Erich Gatt (im mittleren Bild hinten bei der Sanierung einer Fundamentmauer) in mehr als 40-jähriger Arbeit ein wahres „Trockensteinmauer-Paradies“ geschaffen. Nicht nur das riesige Stallgebäude besteht in einmaliger Art und Weise aus Trockensteinmauern, auch die Einhagung des engeren Almareals ist in Trockensteinmauer-Technik ausgeführt. Kein Wunder, dass die Lesestein-Pyramiden wahre Kunstwerke sind: Die „Wächter“ sind riesige Steinmandln, die sogar vom Tal aus sichtbar sind. Während der Almerlebnistage „Almluft & Ziegenduft“ geht es rauf auf die Zeischalm auf einen Besuch in Erichs Reich.



Waale errichten und revitalisieren
Bewässerungskanäle werden in Tirol „Waale“ genannt. Allseits bekannt sind die riesigen Waale im Südtiroler Vinschgau, die dieses trockenste Tal der Alpen mit Wasser versorgen – und damit den exzessiven, monokulturellen Obstanbau erst möglich machen.
Weit weniger bekannt ist die Tatsache, dass auch Almwiesen im wesentlich niederschlagsreicheren Nordalpenraum mit Waalen bewässert werden – oder wurden, um es genauer auszudrücken. Denn die Berglandwirtschaft ist längst nicht mehr von jenem Heu abhängig, das als Bergheu bekannt ist. Wie bereits an anderer Stelle beschrieben, können es sich die hart arbeitenden Bergbauern zeitlich schon längst nicht mehr „leisten“, die Bergmähder zu bearbeiten.
2016 haben wir mithilfe von Freiwilligen des österreichischen Bergwaldprojektes sowie mit Teilnehmern eines Grundkurses der Schule der Alm je einen Waal am Bergmahd Ocherloch im Valsertal reaktiviert. Eigentlich war es ein Neubau auf einer bestehenden, uralten Trasse. Die Bilder stammen von diesen Arbeiten. Warum haben wir das gemacht? Weil Waale nicht nur für Bewässerung in trockenen Zeiten sorgen, sondern weil Hartgräser wie der sogenannte Bürstling durch die laufende Versorgung mit Feuchtigkeit verschwinden, was wiederum die Heuqualität entscheidend verbessert. Mit anderen Worten: Wenn wir uns von der Schule der Alm der Erhaltung von Bergmähdern verschreiben, können wir das ohne funktionierende Waale kaum bewerkstelligen.
Waale zu errichten, gehört nicht zum Standardprogramm der Grundkurse, aber nach zehn Jahren könnte es irgendwann durchaus mal wieder nötig sein, den Waal im Ocherloch zu pflegen.



Holzschindeln kliabn
Holzschindeldächer sind besondere Blickfänger in der Landschaft. In Österreich gibt es sie schon seit über 3.000 Jahren. Eine circa 80 cm lange Holzschindel kann bis zu viermal verwendet werden, indem das Dach immer wieder neu gedeckt und die Schindeln dabei umgedreht werden. Das ist mal nachhaltig!
Die Arbeit der Schindelmacher hat sich im Laufe der Jahrhunderte wenig verändert und lebt vom überlieferten, lokalen Erfahrungswissen. Traditionell wird zum Schindelmachen ein Baumstamm in Längsrichtung mit einem speziellen Handwerkszeug gespalten, dem Schindeleisen (Glenseisen; vom mittelhochdeutschen „kleuzen“ = spalten) – siehe Foto oben in der Mitte. Bis heute wird das Handwerk von Alm- und Bergbauern, Waldarbeitern und Zimmerleuten ausgeübt und an jüngere Generationen weitergegeben. Allerdings werden die traditionellen „österreichischen Alpenschindeln“ aus Lärchenholz seit einigen Jahren immer mehr durch Importe verdrängt.
„Schindeln kliabn“, also Schindeln spalten, ist ein traditionelles Handwerk – und steht seit Ende 2023 auf der nationalen Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich. Initiator dieser erfolgreichen Bewerbung war unser Almlehrer und Waldexperte Siegfried Ellmauer, der mit seinem Bergwaldkurs unser Kursprogramm bereichert.
Mehr übers „Schinden kliabn“ kannst Du in der Ausgabe 2024 unseres Magazins „Beißwurm“ in einem Beitrag von Siegi Ellmauer nachlesen oder es beim Aufbaukurs des Bergwaldkurses auch einmal selbst ausprobieren.
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